Saas-Fee Música Romântica 7 Aug 05 - Yuri Serov - Prof St. Petersburg Conservatory

Yuri Serov
Professor Conservatorium Sint Petersburg

Es ist etwas Magisches, Urzeitliches und Unvergessliches in dieser Musik, die hoch oben in den Bergen, in der Stille der Ewigkeit erklingt. Doch natürlich verbreiten die Musiker, die Helden und "Stars" dieses Festivals das wirklich Magische.

Meine stärksten musikalischen Emotionen während des Festivals 2005 empfand ich zweifellos beim Recital von Eliane Rodrigues, die ein Chopin-Programm zum Besten gab (7 August), bei Schostakowitschs Konzert für Streicher, Klavier und Trompete (Zermatt, 5 August), Webers Klarinettenkonzert (Vlad Weverbergh, Klarinette), bei der Symphonie fantastique von Berlioz (15 August), die von der St. Petersburger Philharmonie gegeben wurde, sowie bei Rachmaninows Klavierkonzert und Strawinskys Petruschka am letzten Tag des Festivals (Eliane Rodrigues, Alexander Dmitriev und die St. Petersburger Philharmonie, 19 August).
Für mich war es nicht das erste Mal, dass ich von Eliane Rodrigues Chopins 2. und 3. Sonate hörte (hier eingeschlossen ihr fantastisches Recital in der Grand Hall of St. Petersburg Philharmonic im vergangenen Juni), aber jedes Mal bin ich überrascht, diese Werke neu zu hören, neu zu entdecken. Wie schafft sie es nur, sich nicht zu wiederholen? Was ist ihr Geheimnis, immer wieder neue Farben und Details im Erzählen einer Geschichte zu finden, die man doch seit seiner Kindheit zu kennen wähnt? Woher bekommen diese fragilen Hände so viel Kraft, und wie können so viele tragische Klänge, wie kann so viel Charme und Plastizität aus den unsterblichen Partituren Chopins aufblühen? Natürlich, Antworten zu all diesen Fragen scheinen auf der Hand zu liegen - es ist ihr Talent, ihr künstlerisches Genie und ihre Intuition. Es ist wahrhaftig ein Genuss, Zeuge und sogar Beteiligter zu werden in der erstaunlichen, erlesenen Musikalität, die Eli-ane Rodrigues uns jedes Mal mit ihren Interpretationen von Chopin zu geniessen ermöglicht.

Ich konnte mir kaum vorstellen, dass man das Klavierkonzert von Schostakowitsch spielen und dirigieren kann (es ist eine große Herausforderung für Pianisten und eine harte Arbeit für den Dirigenten), doch Eliane Rodrigues hat die Grenzen meiner Vorstellung der Fähigkeiten von Musikern gesprengt. Vom professionellen Standpunkt aus betrachtet war die Darbietung des Konzerts in Zermatt absolut makellos. Diese Komposition des jungen Schostakowitsch, die voll bitterer Ironie steckt, eine seltene Mischung von Stilen und Stimmungen enthält und die im Wesentlichen ein virtuoses, äußerst spektakuläres und effektives Werk ist, wusste die zahlreichen Zuhörer zu begeistern, was durch den anhaltenden, aufrichtigen Applaus bestätigt wurde. Der kräftige, schöne Klang der Trompete des Solisten Anatoly Cherkun wird allen in bester Erinnerung bleiben.

Der beeindruckende junge Klarinettist Vlad Wever-bergh entschied sich, anstelle des ersten Klarinettenkonzerts Carl Maria von Webers, das fast überall gespielt wird (fast schon etwas zu oft), dessen zweites zu spielen. Es schien mir bei der Probe, dass das zweite, das in weiten Teilen auf dem Grundmuster des ersten basiert, weniger interessant wäre und eben selbst die Grossen nicht immer genug Diamanten über ihre Kompositionen streuen konnten. Doch die Aufführung am gleichen Abend zerstreute alle meine Zweifel. Zuerst und vor allem weil das Konzert mit eindrücklicher Inspiration, Virtuosität und Freiheit gespielt wurde. Der langsame Teil, eine «Romanza», tauchte die Zuhörer in eine Kantilene und ermöglichte uns all die Genüsse, für die wir die vergangene Romantik so lieben.

Das Divertimento von Mozart (KV 136) ist eines der bekanntesten Werke des berühmten Wieners. Die Streicher der St. Petersburger Philharmonie und Eliane Rodrigues als Dirigentin bewiesen, dass dieses Werk zu Recht so beliebt ist. Minimale Einmischung in die exquisite Textur der Partitur, ein warmer Ton, eine feurige, klare Linienführung, sehr bewegliche Tempi und das reine Vergnügen daran, Musik zu machen - all dies sind die Komponenten des offensichtlichen Erfolgs beim Publikum, das sich von dieser grandiosen Mozart-Darbietung begeistert zeigte.

Die Symphonie fantastique von Berlioz ist ein Grundpfeiler im Repertoire der grossen Symphonien der Welt. Sie gibt sowohl dem Dirigenten als auch dem Orchester Gelegenheit, sein Bestes zu zeigen, und die St. Petersburger mit Alexander Dmitriev haben diese Chance perfekt genutzt. Es war eine künstlerische Darbietung, exzellent bis in jedes Detail, in einer sehr klaren und graphisch differenzierten musikalischen Form (was bei einer Symphonie von derart komplexer Struktur und derart langer Zeitdauer von allergrösster Wichtigkeit ist), mit ausgewogener Klangbalance der verschiedenen Orchestergruppen, mit von den Solisten lebhaft angeführten Themen, mit kräftigen und grossartigen Tutti, blühend und strahlend in allen Klangfarben. Das Orchester erschien als ein verblüffend harmonisches musikalisches Uhrwerk, die «Episode from the Life of an Artist» glanzvoll und mit Inspiration interpretierend.

Die St. Petersburger Philharmonie war bereits zum dritten Mal bei Música Romântica dabei. Die Musiker kommen gern nach Saas-Fee, wo sie ihre harte musikalische Arbeit mit Spaziergängen in den Bergen, Fußballspielen und entspannten Abendessen in hervorragenden Schweizer Restaurants kombinieren können. Es ist schön zu sehen, wie das Orchester mit jedem Jahr mehr und mehr zu einem echten Juwel des Festivals wird und uns die besten Errungenschaften der russischen Orchesterschule in den Alpen vorstellt.

Beim letzten Konzert des Festivals (19 August) glänzte das Ensemble mit einer virtuosen Darbietung von Strawinskys Petruschka und einer grandiosen, charmanten Aufführung des ersten Klavierkonzerts von Rachmaninow (zusammen mit Eliane Rodrigues). Dieses Werk ist etwas seltener als andere Konzerte des russischen Genies auf den Bühnen dieser Welt zu hören. Es war umso angenehmer, da jene, die dieses Konzert zum ersten Mal hörten, direkt eine der besten Interpretationen genießen durften.


Als weiteres wichtiges Ereignis des diesjährigen Festivals muss das Auftreten einiger höchst bemerkenswerter junger Solistinnen und Solisten genannt werden. Ich spreche hier vom bereits erwähnten Vlad Weverbergh, aber auch von der Cellistin Marie Hallynck, die Edward Elgars episches Cellokonzert mit grosser Subtilität, musikalischer Reife, Weisheit und Schönheit darbot (12 August). Sodann erwähne ich Sophia Jaffé, die uns mit ihrem feurigen Temperament und einer stupenden Virtuosität im Violinkonzert von Camille Saint-Saëns (15 August) tief beeindruckte. Nicht zuletzt ist auch Jeroen van der Wel zu erwähnen, ein noch sehr junger und kühner, aufgeweckter Geiger, der mit der Interpretation der Ravel'schen Violinsonate (14 August) eine absolut überzeugende Leistung brachte. - Es ist nicht daran zu zweifeln, dass alle diese vier jungen Musiker eine bedeutende Künstlerkarriere vor sich haben, und es ist schön zu wissen, dass Música Romântica für sie alle einen neuen, wichtigen und interessanten Meilenstein in ihrer Karriere darstellen wird.

Der junge deutsche Dirigent Sebastian Tewinkel, der sein anspruchsvolles Film-Soundtrack-Programm auf höchstem professionellem Niveau meisterte (10 August), sei ebenfalls lobend erwähnt. Das Orchester von St. Petersburg folgte ihm mit offensichtlichem Vergnügen. Die Idee, ein solch „einfaches" Programm einzubinden, war sicherlich ein Erfolg für die Organisatoren des Festivals. Ich wünschte, Sie hätten die fröhlich glänzenden Augen der Zuhörer und der Musiker nach dem Konzert sehen können!

Weitere eindrucksvolle Erinnerungen sind die glänzende Darbietung der drolligen und kapriziösen Burleske und der Rosenkavalier-Suite von Richard Strauss (Eliane Rodrigues und die St. Petersburger Philharmonie, 8 August), die elegante, bebende Simple Symphony von Benjamin Britten und der atemberaubende Pomp and Circumstance-Marsch von Edward Elgar (Eliane Rodrigues, Dirigentin, und die St. Petersburger Philharmonie, 12 August). Ein beachtenswertes Ereignis war daneben auch die Aufführung von Schuberts Unvollendeter sowie von Stücken von Johann Strauß d. J. (Eliane Rodrigues am Dirigentenpult, St. Petersburger Philharmonie, 17 August).

Eine sehr interessante Entdeckung war für mich am Kammerkonzertabend (14 August) der niederländische Pianist Rian de Waal, ein herausragender Klavierbegleiter. Besonders geschätzt wurde seine offensichtliche lyrische Begabung in den reizvollen, obwohl leider wenig bekannten Klavier-Arrangements von Leopold Godowsky (nach Kompositionen von Jean-Philippe Rameau). Auch die lebhafte Interpretation des bezaubernden Piano Quartetts von Gabriel Fauré durch Rian de Waal zusammen mit dem Stravinsky Quartett dürfte vielen in Erinnerung bleiben.

Abschließend möchte ich erneut das wiederholen, was ich schon mehrmals über das Festival in Saas-Fee gesagt habe. Das Gefühl der Teilnahme an allen auf der Bühne aufgeführten Stücken, ein festliches und erhebendes Gefühl, begleitet die Zuhörer während des gesamten Festivals. Und man sollte gar nicht versuchen zu ermitteln, welche Elemente den größten Anteil daran haben - die unnachahmlich schöne Natur von Saas-Fee, diesem „Himmel auf Erden"; die eigentlichen musikalischen Eindrücke, die glänzend und vielseitig waren; oder die perfekte, makellose Organisation des Festivals (die zweifellos getrennt hervorzuheben wäre).

Wenn die Musik noch lange nach dem Konzert im Herzen der Zuhörer weiterklingt und wenn ihr Hauptanliegen - zu überraschen, zu besänftigen, zu verbessern, zufrieden zu stellen, zu gefallen - erfüllt ist, so darf man mit Fug und Recht behaupten, dass die primäre Aufgabe oder der ultimative Zweck eines solchen Festivals ebenfalls erfüllt ist.

Liebe Freunde, ich freue mich, Sie in Saas-Fee bei Música Romântica wieder zu sehen!

 

Karel Nijs Producer VRT - Radio Klara

Schon sechs Mal hatte ich Gelegenheit, jeweils eine der zwei Wochen des Festivals Música Romântica mitzuerleben, und immer war die Qualität dieses Festivals gegenüber dem letzten Mal gewachsen. Bei dieser achten Ausgabe gab es viele Momente sehr großer Klasse. Doch ist die Atmosphäre in Saas-Fee niemals und nirgends prätentiös oder „elitär" im negativen Sinne dieses Wortes. Die einfache, offene Struktur der Kirche spielt dabei eine Rolle und auch ihre Zugänglichkeit, liegt sie doch nahe bei der zentralen Einkaufsstraße dieses Bergdorfs, das langsam das Flair einer Stadt bekommt.

Und dann die Ferienstimmung mit Touristen jeder Couleur aus aller Herren Länder, die sich zwischen Bergeshöhen, Wäldern, Sportgeländen, Gaststätten und Murmeltieren tummeln. Oft erlebt man bei den öffentlichen Proben von Música Romântica, dass Passanten zufällig auf der Straße etwas hören, hereinschauen, in der Kirche ein wenig die Musik und die Stimmung genießen und danach beschließen, am Abend ein ganzes Konzert mitzunehmen. Im Publikum sitzen natürlich Musikbesessene und ein schöner Kreis von Stammgästen, aber auch sehr viele Menschen, für die es ein echter Glücksfall ist, „zufällig" einen Abend mit klassischer Musik zu erleben. Und viele von ihnen kehren gerne zurück.

Die Atmosphäre offener, unkomplizierter Erwartungen ist bei den Konzerten spürbar. Nicht nur bei den Touristen, sondern auch bei den vielen Menschen aus Saas-Fee selbst, die nur zu gut wissen, dass sie in ihrer etwas abgelegenen Region in den Genuss eines besonders hochwertigen Musikfests kommen.
Das Programm des Festivals ist im weitesten Sinne „romantisch". Musik vieler Stilrichtungen, die das Herz anspricht, mit einer hübschen Mischung bekannter und minder bekannter Klassiker. Die Ausgewogenheit hat mir an dieser 8. Ausgabe besonders gefallen und die Besucher wissen inzwischen, dass es in Saas-Fee nicht nur um einen Mischmasch klassischer Schlager und Hits geht. Die sind - zum Glück - auch dabei und es tut gut, die Symphonie Fantastique von Berlioz oder die Unvollendete von Schubert einmal live zu hören.

Aber der Festivalleitung ist es gelungen, das Programm geschickt mit allerlei Entdeckungen zu ergänzen, sowohl bei den symphonischen Konzertabenden als auch bei den Kammermusik- und Solorecitals. Mit ebenso viel Sorgfalt wurde an das Gesamterlebnis eines Abends gedacht: Spannende, rührende und auch tragische Melodien sind schön verknüpft zu einer Ebbe und Flut entspannender und anregender Musik. Außerdem gelingt es dem Festival immer wieder, fesselnde und integre Musiker anzuziehen.

12 AUG 05

The Belgian cellist Marie Hallynck is such a person. She gave a very noble interpretation of the cello concerto composed by Edward Elgar in 1919. She let the mournful character of the music, for instance in the sublime Adagio moderato, sound sincere and tender, with a brilliant mastery of the emotional richness of the piece, and yet in a manner far removed from the weepy exaggerations you hear on CD every now and then. Hallynck played with a sound full of passion in the concerto's vivid outer movements - however, nowhere did it sound rough or raw "in" the strings. A singing line, with a clean tone and subtle colours, was present throughout.

The concerto has a very rhapsodic form, and Eliane Rodrigues, together with the St Petersburg Philharmonic Orchestra, built an exciting story out of it. Conducting with precision and in harmony with the creative rendition of the soloist, Rodrigues knew how to beautifully deliver the right dose of the sometimes massive orchestral part. The manner in which both she and the orchestra drove the music and let it flow was also impressive, using natural phrasing and surging between lyrical rest and powerful unrest. An exceptionally beautiful Elgar!

The Simple Symphony (1934) by Benjamin Britten might sound simple indeed. However, it remained a challenge for the strings of the orchestra to let this youthful piece sound fresh and sharp in its dancing passages, and to sensitively play the nuances of the Sentimental Sarabande.

What stood out in Eliane Rodrigues' conducting style, even more this year, was her great attention to flowing horizontal lines. She constantly gave the music a direction or an aim, starting from the first measures up until the end, with neither artificial effects on the way nor prolonged pauses in order to incite ‘suspense'. You would not see her zoom in on small orchestral details at the expense of the big lines either. On the contrary, the music was always moving forward and aiming to go somewhere. It was rhythmically alert and clear, and especially flamboyant and singing, with a surge of energy or dancing momentum.
This quality was also favourably expressed in "Jupiter, The Bringer of Jollity" from the suite The Planets by Gustav Holst, while it made "Venus, The Bringer of Peace" sound perhaps a little bit too breathless. To put another way - I had often heard this movement in a somewhat slower tempo and a dreamier mood, which would enable the ‘vertical' tension of Holst's harmonies to stand out more.

The famous "Pomp and Circumstance" March No. 1 by Elgar was a hit once again, sturdy and exuberant in the outer movements, and intense and electrifying in the hymn "Land of Hope and Glory". Incidentally, it was the first time that the Russian orchestra had played this march. For this orchestra too, Música Romântica had a lot to offer in terms of new experiences, and you could hardly overestimate how much work they had had to put into studying the many scores that were unfamiliar to them.

14 AUG 05

Lors du concert de musique de chambre consacré à la France par exemple, le deuxième quatuor pour piano (1886) de Gabriel Fauré est également paru nouveau aux membres du Stravinsky-Quartet. Même au Conservatoire de St. Petersbourg, la partition est (encore) introuvable. Il s'agit pourtant d'un brillant morceau de musique de chambre, aux mélodies trépidantes et aux modulations audacieuses, qui s'avère tantôt rude, tantôt langoureuse, ou capricieuse et puissante dans l'Allegro molto. Le pianiste néerlandais Rian de Waal est un musicien-né qui réussit à conjuguer un toucher perlant de la main droite avec une partie de basse sonore triomphante. La symbiose avec les trois musiciens qui jouent un instrument à cordes est joliment mise au point et - si je peux encore me permettre de citer quelqu'un, ce serait Daniil Meerovich, un violoniste alto tout simplement envoûtant!

Cette soirée française était particulièrement bien orchestrée. L'apothéose a été assurée par Fauré tandis que la première partie a vu les performances de Rian de Waal avec quelques transcriptions de Rameau composées par Léopold Godowsky que l'on avait que rarement entendues auparavant. Ses hommages inventifs à la musique baroque datent des années 1920: de curieux arrangements pour piano d'anciennes "Pièces de clavecin". Quel bonheur d'avoir pu découvrir ces somptueuses paraphrases (comme l'Elégie) à peine connues. Elles ont d'ailleurs marqué une belle transition avec les deux sonates qui ont suivi, car tant Debussy que Ravel voulaient reconquérir cette pureté transparente de leurs ancêtres français pour l'intégrer dans leur langage tonal moderne.

La sonate pour violoncelle (1915) de Claude Debussy a reçu une interprétation passionnée et néanmoins maîtrisée du violoncelliste Sergei Pechatin et de Rian de Waal: un jeu d'ensemble haut en couleur dans le Prologue mélancolique, une gamme céleste de nuances et de conceptions, et un dérapage dans le chef du violoncelliste pour le moins pardonnable. Le direct est, faut-il le rappeler, ce qui confère au concert son caractère exceptionnel. Dans la sonate pour violon (1927) de Maurice Ravel, nous avons entendu Jeroen van der Wel, ce violoniste néerlandais de 17 ans. Malgré les bribes d'hésitation dans la partie d'ouverture Allegretto, la belle formation chantante du son et l'élégante musicalité m'ont laissé pantois! Pas de démonstration tapageuse de la maîtrise de l'instrument mais une musique intériorisée et intègre. La sonate de Ravel a été interprétée avec légèreté et souplesse, le Blues de manière puissante mais pas caricaturale, et avec Rian de Waal comme partenaire, j'ai connu une réelle ivresse musicale. De la musique de chambre de très grande qualité.

16 AUG 05

La France a une fois de plus été mise à l'honneur avec l'Orchestre Philharmonique de St. Petersbourg sous la baguette d'Alexander Dmitriev. Une délicate interprétation de la Pavane pour une infante défunte de Ravel. Pas d'approche langoureuse et morne mais du style, de la souplesse et ‘en dansant'. Il est étonnant de voir à quel point cet orchestre, comparé à voici quelques années, a gagné en liberté dans sa manière de jouer. C'est encore toujours une formation disciplinée, mais la passion a grandi et la manière dont les musiciens individuels proposent leur solo est vivante, enthousiaste, et à l'écoute de l'ensemble du courant musical.

Cette particularité est clairement apparue, de manière très convaincante, lors de la Symphonie Fantastique d'Hector Berlioz. Alexander Dmitriev a confiance en ses musiciens, offre en qualité de chef d'orchestre un cadre clair, et laisse l'orchestre déclencher ce que la musique a à dire. J'ai craqué pour l'approche quasi-Beethovienne de cette symphonie: elle date en somme de 1830, et se trouve souvent noyée dans un romantisme tardif. Ce qui n'est pas le cas ici: une "Scène aux champs" qui autorise les couleurs claires de la Pastorale, un mouvement de valse gentiment désinvolte dans la scène du bal, et la fervente passion n'a jamais été amplifiée ‘over the top'.

L'église de Saas-Fee n'est pas une "vraie" salle de concert, et il faut dès lors pouvoir parfaitement doser la force orchestrale du Sabbat des Sorcières. C'est précisément le défi qu'a relevé Dmitriev: faire résonner très bas les groupes instrumentaux, de manière équilibrée et avec une profusion d'effets colorés. La "marche au supplice" a fait frémir, dans un rythme très naturel et maintenu tendu, mais intérieurement brûlant de vie et d'éloquence. Une interprétation puissante de cette symphonie!

Die deutsche Geigerin Sophia Jaffé (geb. 1980) wurde beim belgischen Königin-Elisabeth-Wettbewerb 2005 3. Preisträgerin und spielte in Saas-Fee das Konzert Nr. 3 für Violine und Orchester (1880) von Camille Saint-Saëns. Sie hat eine starke Bühnenpräsenz, ohne äußerliche Allüren oder Wichtigtuerei, einfach als Musikerin: ein sehr kräftiger, warmer Ton, fließendes Legato und besonders große Geschmeidigkeit. Keinen Moment wird spürbar, dass dieses Konzert vielleicht schwierig sein könnte, weil sie auf technischem Gebiet mehr als genug an Reserven hat. Schon beim ersten Satz Allegro non troppo wurde deutlich, dass sie diesen Saint-Saëns nicht als einen etwas blassen, aufpolierten Klassiker behandelt, sondern als einen Vollblutromantiker, der ganz entschieden Leidenschaft und Zärtlichkeit vereint. Auch das anmutige Andantino wurde nicht schwach oder sentimental interpretiert, sondern mit liebreizender Größe. Dazu die Bläser des Orchesters sehr fein im Hin und Her von Motiven zwischen ihnen und der Solistin. Am Schluss kam mir in den Sinn, dass diese Geigerin noch ein wenig mehr Courage und Verspieltheit einfließen lassen könnte, aber warum eigentlich? Es war sowieso eine herzgewinnende und außergewöhnliche Vorstellung.

18 AUG 05

Eliane Rodrigues dirigierte den österreichischen Konzertabend. Zuerst die Streicher des russischen Orchesters im leichtfüßigen Divertimento des sechzehnjährigen Wolfgang Amadeus Mozart: federleichte rhythmische Präzision beim Allegro, auch schön herausgearbeitete Kontraste und eine raffinierte Streicherkultur, die aus so einem Jugendwerk dieses Quäntchen mehr machen, als nur eine freundliche Zerstreuung. Es ist mittlerweile unverkennbar, dass Rodrigues von diesem Orchester ernst genommen wird. Der lebendige Kontakt zwischen ihr und den Musikern ist hörbar und sichtbar. Auf eine überwältigende Weise wurde das deutlich bei der Interpretation des Klavierkonzerts Nr. 20 von Mozart, eines dramatisch geladenen Konzerts in Moll. Eliane Rodrigues dirigierte das Orchester - während sie den Klavierpart spielte - scheinbar mühelos, doch mit welcher Konzentration. Und was für eine verblüffende Charakterisierung aller emotionalen Register dieses Meisterwerks.
Nach der Pause die berühmte Symphonie Nr. 8, die „Unvollendete", von Franz Schubert: starke Musik, der man sich auf vielerlei Weise nähern kann. Rodrigues wählte (wieder) einen sehr flüssigen Ansatz mit ständiger Aufmerksamkeit für die sängerischen Abschnitte, die Kontinuität in der ununterbrochenen Bewegung.

Die Momente der Stille im Allegro moderato sind nicht als bedrohliche Atempausen inszeniert, sondern als Fragezeichen, offen und leer. Manche Dirigenten geben dieser Symphonie sehr tragisch-dramatische Konturen, legen besonders viel Nachdruck auf eckige Rhythmik, wählen eine beinahe aggressiv scheinende Klangbildung.

Nicht so Rodrigues: Ihr Schubert-Sound ist abgerundet, cremig, weniger auf heftige Kontraste ausgerichtet. Die „Unvollendete" spricht hier anders zu uns, auch im wogenden Andante con moto - mit Bewegung also - pulsierend und atmend, wie ein Fluss, „ein Bächlein"... Wenn Schubert in dieser rätselhaften unvollendeten Symphonie einen tragischen Ton anschlagen wollte, dann war er hier unterschwellig vorhanden, aber nicht lastend schwer oder demonstrativ. Und das Orchester verteidigte die Wahl mit brillantem Schwung und mit Exaktheit.

Ebenso alert und aufmerksam spielte es zum Schluss einige Walzer und Polkas von Johann Strauss Sohn, Musik, die mehr zu bieten hat, als den frivolen Charme von Darbietungen wie „Musik für Millionen". Strauss konnte hervorragend orchestrieren und seine Musik bleibt eine bezaubernde Mischung aus Lebenslust und Melancholie. Die Ouvertüre zur „Fledermaus" beispielsweise ist einfach wunderschön - und es ist eine Kunst mit großem K, sie von Anfang bis Ende sprühen zu lassen. Genau das war in Saas-Fee zu hören.

20 AUG 05

Russia had the last word on the closing evening of the 8th Festival. The concert started off with the subtle Prelude to the opera "Khovantshina" by Modest Moussorgsky, a moody portrayal of the break of dawn over the Moskva River.

The indefatigable Eliane Rodrigues was the soloist in the first piano concerto of Sergei Rachmaninov, an early work (1892) to which the composer later made radical changes. It definitely suited conductor Alexander Dmitriev, who let his orchestra dance and sing in magnificent colours, while Eliane Rodrigues unfolded a full-blooded Romantic approach, with a firm grip of the full chords against the orchestra, as well as a delicate lyrical line of notes in soft aquarelle tints. And everything in between was likewise magnificent, from the broad opening movement through the Andante to the Finale - Allegro vivace. By the end of a festival like this, you have experienced a lot. However, as if this was not enough, that last evening was a really moving affair.

To round things off, the St Petersburg Philharmonic Orchestra offered the ballet Petrushka by Igor Stravinsky, a milestone in the history of music, and a piece in which the listener even now keeps on discovering new elements. Alexander Dmitriev took care of those, together with his orchestra and pianist Nicolai Magará, sputtering fireworks of magic and motoric rhythms, and with such a love for the music. The only thing you could possibly wish for after this was that the 9th edition of Música Romântica would be just as wonderful as this, or, who knows, even better.