Nürnberger Nachrichten - 7. Juli 2008

Amerikaner mit Charme
Nicht nur die amerikanische Staatsbürgerschaft verbindet die beiden restlichten Komponisten des Abends, sondern auch die Tatsache, dass alle drei sehr gute Pianisten waren, Leonard Bernstein darüber hinaus auch ein exzellenter Vermittler von vermeintlich „Ernster Musik". Seine drei Tanzepisoden aus dem Musical „On the town" sind kurzweilig und mit viel Spielfreude dargeboten, der richtige Anheizer für George Gershwins „Rhapsody in Blue", seinem wohl eigenständigsten Stück.

Nicht nur wegen seines zeitlosen Charmes, sondern vor allem wegen der eingängigen Melodien und der Raffinesse bei der Instrumentation. Für die brasilianische Pianistin Eliane Rodrigues stellt jedoch weder die geforderte technische Brillanz noch die berüchtigte Repetitionsspielfigur in der Solokadenz ein Problem dar. Temperamentvoll und gefühlvoll scheint sie zusammen mit Dirigent und Orchester noch einmal die Geburt der amerikanischen Musik zu feiern.
Michael Sikora