Chopin in Rotterdam - 26. December 2006

Da, wie wir aus einer seriösen flämischen Zeitung (?) erfuhren, sowohl in Flandern als auch in den Niederlanden kein (junges) Publikum für klassische Musik zu haben ist, waren die 650 Plätze des Saales bereits Wochen vorher ausverkauft. Klassiek Centraal war dabei und hörte zu.

Im gesamten Verlauf stellten wir fest, dass Rodrigues sich der freien Interpretation hingab, was sich nur die Besten erlauben können und dürfen. Sie will es und kann es... Wir hörten einen weiblichen Chopin, aristokratisch interpretiert, dem es zwischendurch nicht an der notwendigen männlichen Entschiedenheit fehlte.
Die Sonate 3 Opus 58 ließ einen Chopin erklingen, der alle Gemütszustände in Freude und Spannung verarbeitete. Ein gespannter Ausdruck voller Hoffnung und Verlangen nach (un)erfüllter Liebe, das Heimweh nach ihrem Vaterland? Geht es um Liebe von jemandem oder für jemanden, die nicht erfüllt, was die Künstlerin in ihrer Traumwelt als Idealbild vor Augen hat? Die vielen Emotionen kamen in einem dominierenden, entschlossenen, bestimmten und entscheidenden Schlussteil zur Apotheose, wo sich männlicher Zorn und Empörung nach dem Abschütteln der Frustrationen durchsetzten.

Das kurze Stück mit dem langen Namen Andante Spianato et Grande Polonaise Brillante spielte Eliane so, wie der Name es vorgibt: brillant.

Der Frühling, ein Lied von Chopin in einem Piano-Arrangement von Liszt mit einem Extra von der Musikerin des Abends selbst war unübertrefflich. Vorbild Rodrigues erläuterte dann selbst noch, wie sie das Vögelchen in dem Werk flattern sieht, bevor es sich in den weiten Wolken verliert. Was für eine Inspiration, das Gehörte in Worten fassen und dann in Musiksprache zu übertragen, das kann Rodrigues wie nur weinige.

Und das machte Eliane erneut, indem sie zwei von ihr komponierte Zugaben darbot, wovon eine für die linke Hand und eine ihrem ältesten Sohn gewidmete. Während er hin und wieder beim Fußball spielen dribbelte, verewigte sie dies in einem Pianowerk, in dem die Finger das Spiel des Dribblers übernehmen. Schönes kleines Werk, das die Dankbarkeit einer Mutter ausstrahlt. Allesamt sehr schön.

Diese facettenreiche Dame hat somit ein großes Herz für alle, und ihre Gefühle drückt sie in den Interpretationen der großen Meister und in ihren eigenen Kompositionen aus.

Ludwig van Mechelen
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